Kristin Palitza works as Africa correspondent for dpa, the German Press Agency. Her articles have also appeared in Forbes Africa, Monocle, the Guardian and TIME.

She lives and works in Cape Town, South Africa, but regularly goes on assignment throughout the continent.

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Kristin Palitza arbeitet als Afrika-Korrespondentin für dpa, die Deutsche Presse Agentur. Ihre Artikel sind außerdem in Forbes Africa, Monocle, Guardian und TIME Magazin erschienen.

Sie lebt und arbeitet im südafrikanischen Kapstadt und reist regelmäßig auf dem Kontinent. 


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Hitze, Skorpione und Terror: Bundeswehr trainiert Militär in Mali

Rhein-Neckar-Zeitung | 11. Mai 2016

Die Sonne brennt, die Luft steht, der Schweiß läuft. Seit drei Jahren bilden 560 Soldaten einer EU-Trainingsmission – darunter 200 Deutsche – die malische Armee aus. Die Erfolge sind gemischt.

von Kristin Palitza, dpa

Koulikoro (dpa) – Ein Trupp Soldaten pirscht sich an eine Häusersiedlung an. Ihre Kalaschnikows schussbereit, gehen sie in Stellung. Dann kommt das Signal: vorwärts! Sekunden später ertönt ein lauter Knall, gefolgt von einer Rauchwolke. «Achtung», schreit noch jemand, aber es ist zu spät. Ein Sprengsatz ist explodiert.

Niemand ist verletzt. Es war nur ein Übungsmanöver – allerdings eins, das die malischen Soldaten in Koulikoro, 60 Kilometer nordöstlich von Malis Hauptstadt Bamako, beherrschen sollten. Denn ihre dreimonatige Ausbildung durch die europäische Trainingsmission EUTM, an der sich 560 Soldaten, einschließlich 200 Deutscher, beteiligen, ist nun zu Ende. Bei mehr als 40 Grad im Schatten wurden Operationsplanung, Methodik und humanitäres Völkerrecht gelehrt. Neben Gefechtsverbänden werden Kompaniechefs und Ausbilder trainiert. Auch die Militär-Führung in Bamako wird von der EUTM beraten.

Bei der nächsten Etappe klappt es besser: die malischen Soldaten entdecken in einem Hauseingang eine hauchdünne Nylonschnur, den Auslöser einer Bombe.  Sie rufen das Spezialteam. Der Sprengsatz wird entschärft.

Das Training ist bitter nötig, denn  Malis Armee ist weder logistisch noch professionell gut aufgestellt. Es fehlt an militärischem Können, Waffen und Ausrüstung. «Es kommen Soldaten zum Training, die vor sieben Jahren das letzte Mal eine Schießübung gemacht haben», sagt Hauptfeldwebel G., einer der deutschen Ausbilder. Zahlreiche Soldaten besitzen nur ihre Uniform am Leib. Material wie Schutzwesten, Wasserrucksäcke oder Moskitonetze muss die EU stellen. Viele müssen mit Holzgewehren trainieren.

«Man muss die Abholpunkte gering setzen», erklärt auch Oberstleutnant Nils Kruth, der stellvertretende EUTM-Ausbildungsleiter. Mit einer dreimonatigen Ausbildung in Westeuropa könne man das Training hier in Mali nicht gleichsetzen.

Der malische Oberstleutnant Nouhoum Traoré, der die «Boubacar Sada Sy» Kaserne in Koulikoro leitet, innerhalb der sich die Trainingseinrichtung der EUTM und das deutsche «Camp Gecko» befinden, beschreibt die Ausbildung als «großartige Lernerfahrung». Besonders über die Anwesenheit der Bundeswehr ist Traoré glücklich, denn er selbst wurde vor Jahren in Deutschland militärisch ausgebildet. Im Hof der Kaserne hat er «Schatzi» geparkt, seinen dunkelgrünen 3er BMW, den er noch immer mit Hamburger Kennzeichen fährt.

«Die Deutschen bringen Ordnung und Methode rein», erklärt Traoré in gebrochenem Deutsch. Das sei besonders wichtig für die Unterstützung der logistischen Reformen, wie die Einführung eines Waffenregisters. «Jetzt wissen wir endlich, wo unsere Waffen sind», meint der Oberstleutnant.

Am 1. Juni wird die EUTM ihr drittes Mandat beginnen. Dann sollen mobile Ausbildungsteams quer durchs Land eingesetzt werden, in Armeestandorten sowie Militärschulen. Das Mandat lässt eine Stationierung bis weit in den von Islamisten infiltrierten Norden zu, doch nach Angaben von Kruth liegen Einsätze in gefährlichen Städten wie Gao und Timbuktu «in weiter Ferne». Das liegt vor allem an der «Golden Hour», die vorschreibt, dass Bundeswehrsoldaten innerhalb von einer Stunde medizinische Versorgung erhalten müssen, die deutschen Standards entspricht.  Das sei für die Trainingsmission momentan nur bis zur Stadt Segou möglich, so Kruth, rund 240 Kilometer nördlich von Bamako.

Bislang hat die EU in den vergangenen drei Jahren rund 8 000 malische Soldaten ausgebildet. Das sind knapp zwei Drittel der Landstreitkräfte Malis. Nach Abschluss des Trainings werden viele der Soldaten im Norden des verarmten Wüstenstaats beweisen müssen, was sie gelernt haben. Unter anderem unterstützen sie dort die 3500-Mann-starke französische Operation Barkhane im Kampf gegen den islamistischen Terror.

Der Norden Malis war 2012 für einige Monate in die Hände teils islamistischer Rebellen gefallen, bevor er Anfang 2013 von französischen und afrikanischen Truppen zurückerobert wurde. Zahlreiche Gruppierungen wie Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) terrorisieren die Gegend bis heute.

Die Rückmeldung der französischen Streitkräfte über die neu-trainierten Soldaten sei «vielversprechend», erklärt Kruth, doch ein strukturiertes Nachbereitungsprogramm gäbe es nicht. «Wir können unsere Ausbildungserfolge nicht überprüfen», so Kruth. «Es ist schwer zu sagen, wie erfolgreich die Mission ist.»

Vor Ort in Koulikoro ist das Feedback durchwachsen. In vielen Bereichen seien deutliche Verbesserungen zu erkennen, erklärt Ausbilder Hauptmann M. Vor allem in den höheren Rängen seien die Soldaten motiviert und «sehr lernfähig». «Doch das fachliche Wissen taktisch im Gelände umzusetzen, da fehlt teilweise der Blick», so M. Auch mit der Kommunikation in Ernstfällen hapere es noch hier und da, gibt ein anderer Ausbilder zu bedenken.

Die inoffiziellen Kommentare sind kritischer. Es fehle den Maliern an Disziplin und Logik, mäkeln die deutschen Soldaten unter sich. Es ist von mangelnder Motivation, zu langsamer Reaktion zu Bedrohungen und sogar Faulheit die Rede. Teilweise würden militärische Grundregeln missachtet.

Auch bei einer Befehlsausgabe – ein Bestandteil der Abschlussübung – zeigen sich Schwachstellen. Mit Hilfe von Steinen, Plastikdeckeln, Stöckchen und Pappstücken gibt ein malischer Zugführer Anweisungen für das nächste Manöver in einem großen Sandkasten aus. Einige Trainees schreiben eifrig mit; andere gähnen oder schauen gelangweilt durch die Gegend.

Im Anschluss nennt der Ausbilder seine Kritikpunkte. «Die Idee des Gefechts war nicht 100 Prozent deckungsgleich mit dem Auftrag. Die Position des Feindes wurde nicht ausreichend bestimmt», sagt Hauptmann B. Generell ist er mit dem Ergebnis jedoch zufrieden: «Wenn es drauf ankommt, wird sauber gearbeitet».

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